Einen Ausflug in die deutsch-deutsche Geschichte unternahm der Deutsch-Französische Freundschaftskreis Cadolzburg zusammen mit den Zirndorfer und Steiner Freunden am kalten, aber einigermaßen freundlichen Palmsonntag.
Mit über 40 Personen ging es nach Mödlareuth. Hier war immer Grenze – einst die der Markgrafen zum Fürstentum Reuß, später stießen mitten im Ort am Tannbach Bayern und Thüringen aneinander. Es gab eine Kirche im fränkischen Töpen und eine Schule im thüringischen Mödlareuth sowie zwei Mühlen im Thüringischen und einen gemeinsamen Dialekt.
Mit der deutschen Teilung kam der Eiserne Vorhang: Holzzaun 1952, Stacheldraht 1957, Wachturm 1962, Betonmauer 1964, zeitweise ein Minengürtel und bis zum Schluss Selbstschussanlagen. Lange Zeit war gar kein Kontakt mehr möglich zwischen den Menschen, nur Blicke über die Mauer. Die Männer aus dem Osten lüfteten manchmal unauffällig den Hut, wenn die aus dem Westen winkten. Später konnten diese ihre Verwandten mit Tagesvisum und 60 km Fahrt im „Landesinnern“ der DDR treffen, und die Ost-Rentner durften einmal im Jahr „rüber“, um Neuigkeiten auszutauschen.
Erst Ende 1989 konnten die Menschen wieder unkompliziert ohne Umwege zueinander kommen. Mit Bratwürsten und Rotkäppchen-Sekt feierten sie in Mödlareuth die Öffnung „ihrer“ Grenze.
Bei uns Teilnehmenden wurden Erinnerungen wach an die eigenen Familiengeschichten mit Vertreibung, Flucht, Päckchen, die man den Verwandten schickte, Besuchen in der DDR und nach der Wende aus der DDR. Ein sehr interessantes Museum mit vielen Exponaten, Bildern und persönlichen Zeitzeugenberichten ergänzte die Führung durchs Außengelände, sprich das Dorf.
Mödlareuth lehrt uns: Es ist wichtig, dass die Menschen sich kennen, verstehen, miteinander reden, zueinander kommen können – in Deutschland wie in Europa. Lassen wir uns nicht spalten! Dafür stehen die Deutsch-Französischen Freundschaftskreise Cadolzburg, Zirndorf und Stein mit ihren Freundschaften mit Le Palais-sur-Vienne, Bourganeuf und Guéret.
Zum Abschluss besuchten wir noch das malerisch am Zusammenfluss von Ölschnitz (slawisch für Erlenbach) und Weißem Main gelegene Bad Berneck im Fichtelgebirge. Auf einer mit viel Herzblut geführten Ortsbesichtigung erkundeten wir ein paar Glanzpunkte dieses Städtchens, das mit vielen Wanderwegen und Aussichtspunkten ein gutes Beispiel für nachhaltigen Tourismus ist, und krönten den erlebnisreichen Tag mit einem guten Essen.